Der Innovationsrat Deutschland hat ein Impulspapier verabschiedet, das Empfehlungen gibt, wie Intelligente Medizin als Erfolgsfaktor für die Gesellschaft genutzt werden kann. An der Schnittstelle von Medizin, Informatik und Datenwissenschaften entstehen neue Möglichkeiten, die sowohl die Gesundheitsversorgung verbessern als auch wirtschaftliches Wachstum fördern können. Die bevorstehende Gesundheitsstrukturreform bietet die Gelegenheit, die richtigen Weichen zu stellen.
Empfehlungen des Innovationsrats
Der Innovationsrat Deutschland, ein unabhängiges Gremium, hat am 17. Oktober 2026 das Papier „Intelligente Medizin als Wachstumsmotor“ verabschiedet. Das Gremium, bestehend aus Experten wie VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein und der Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Veronika Grimm, richtet konkrete Impulse an Politik, Wissenschaft und Unternehmen. Eine zentrale Empfehlung ist der zügige Aufbau einer zentralen Datenzugangs- und Koordinierungsstelle (DACO) für Medizinforschung und Produktentwicklung. Zudem wird die Zentralisierung der Datenschutzaufsicht in Deutschland empfohlen, um Rechtssicherheit und Datensicherheit zu gewährleisten.
Prof. Dr. Jürgen Kühling, Mitglied des Innovationsrats, betont: „Hohe Schutzstandards und schnelle Verfahren schließen sich derzeit in Deutschland aus, in unseren europäischen Nachbarländern nicht.“ Er fordert eine zügige und praxistaugliche Umsetzung durch die Bundesregierung, um verlässlichen Zugang zu Gesundheitsdaten sowie planbare und international attraktive Zulassungsverfahren zu gewährleisten.
Kapital und Fachkräfte als Schlüsselfaktoren
Der Innovationsrat hebt hervor, dass deutsche Unternehmen zwar eine hohe Forschungsintensität aufweisen, jedoch bei den absoluten F&E-Investitionen hinter US-amerikanischen Wettbewerbern zurückbleiben. Besonders in der Phase zwischen klinischer Validierung und industrieller Skalierung wird erhebliches Kapital benötigt. Der Rat empfiehlt, attraktive Rahmenbedingungen für Wachstumskapital zu schaffen und die Vernetzung von Forschungseinrichtungen, Kliniken, Start-ups, etablierten Unternehmen und Kapitalgebern zu fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration von KI-, Daten- und Softwarekompetenzen in die medizinische Ausbildung. Der Innovationsrat sieht die Einbindung von Patientinnen, Patienten und medizinischem Personal in die Entwicklung neuer Technologien als entscheidend an, damit Innovationen im Versorgungsalltag ihre volle Wirkung entfalten können. Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein betont: „Es gilt, intelligente Medizin als strategisches Technologie- und Wachstumsfeld zu verstehen.“
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