KI-Suche verändert den Reisemarkt: Deutsche Bahn dominiert ChatGPT, Holidaycheck verliert an Boden

Die Sichtbarkeit von Reisemarken hängt zunehmend davon ab, auf welcher Plattform gesucht wird. Eine aktuelle Analyse der Berliner SEO-Agentur Digitaleffects zeigt: Wer bei Google vorne steht, ist in ChatGPT längst nicht automatisch sichtbar – und umgekehrt.

Holidaycheck ist in der klassischen Google-Websuche mit 21,81 Prozent Marktanteil der klare Platzhirsch unter den Reiseportalen. Doch wer dieselbe Reisefrage bei ChatGPT stellt, bekommt ein völlig anderes Bild: Dort führt die Deutsche Bahn mit 19,67 Prozent, gefolgt von Expedia mit 14,45 Prozent. Holidaycheck landet mit 7,96 Prozent auf einem deutlich abgeschlagenen Platz.

Das zeigt die aktuelle Ausgabe der „Digitaleffects Search Insights“, für die über 220 deutschsprachige Reisewebsites untersucht wurden. Erhoben wurden Sistrix-Kennzahlen im Januar 2026, ausgewertet für vier Suchoberflächen: Google Websuche, Google AI Overviews, Google AI Mode und ChatGPT.

Vier Plattformen, vier verschiedene Gewinner

Das zentrale Ergebnis der Studie: Jede Suchoberfläche produziert eigene Marktführer. In der klassischen Google-Websuche folgen hinter Holidaycheck (21,81 %) die Deutsche Bahn (7,47 %), Tui (7,32 %), Expedia (5,79 %) und Ab-in-den-Urlaub (4,46 %).

In den Google AI Overviews verschieben sich die Verhältnisse deutlich. Hier führen Tui (8,62 %) und Dertour (7,80 %) – klassische Reiseveranstalter also, die in der organischen Suche nicht an der Spitze stehen. Holidaycheck hält sich mit 6,56 Prozent auf Rang drei, die Deutsche Bahn fällt aber auf nur noch 1,12 Prozent. Expedia erreicht in den AI Overviews lediglich 1,44 Prozent.

Auffällig: Kleinere Anbieter wie Berge & Meer (4,19 % in den AI Overviews bei nur 0,88 % in SEO) oder Chamaeleon Reisen (2,23 % bei 0,18 % in SEO) gewinnen in den KI-gestützten Ergebnissen überproportional an Sichtbarkeit.

Im Google AI Mode bleibt Holidaycheck mit 12,47 Prozent zwar vorne, aber weit entfernt von der SEO-Dominanz. Expedia steigt dort auf 8,22 Prozent, und auch Lidl-Reisen (4,13 %) sowie Sonnenklar.tv (3,82 %) rücken nach vorn.

ChatGPT bevorzugt Mobilität und offizielle Quellen

Auf Kategorieebene werden die Unterschiede noch deutlicher. In der Google-Websuche dominieren Reiseportale und Vermittler mit 41,74 Prozent Marktanteil. In den AI Overviews sinkt dieser Anteil auf 23,10 Prozent, während Pauschal-Veranstalter dort auf 33,29 Prozent kommen.

ChatGPT zeichnet ein eigenes Profil: Bus- und Bahnreisen erreichen 21,10 Prozent Marktanteil – in den AI Overviews sind es nur 2,06 Prozent. Auch regionale Tourismuszentralen spielen bei ChatGPT eine größere Rolle (10,18 %) als in den AI Overviews (2,57 %).

Was das für die Reisebranche bedeutet

„Marktanteile verschieben sich je nach Plattform bzw. Suchoberfläche – und damit auch die Frage, welche Inhalte und Marken überhaupt als Antwort stattfinden“, sagt Christian B. Schmidt, Gründer der Digitaleffects GmbH.

Für Reiseanbieter stellt sich damit eine neue strategische Frage: Wer nur für Google optimiert, verschenkt möglicherweise Reichweite in KI-Systemen. Und wer bei ChatGPT unsichtbar ist, existiert für eine wachsende Nutzergruppe schlicht nicht.

Die vollständige Studie ist unter digitaleffects.de/search-insights-travel abrufbar.

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