Die International Workplace Group hat in einer aktuellen Studie das erhebliche Potenzial flexibler Arbeitsmodelle für den deutschen Arbeitsmarkt aufgezeigt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass hybrides Arbeiten nicht nur ein Nice-to-have, sondern ein entscheidender Faktor für die Bindung und Gewinnung von Teilzeitbeschäftigten ist – einer Gruppe, die in Deutschland knapp ein Drittel der Gesamtbeschäftigten ausmacht.
Massives Rückkehrpotenzial durch Flexibilität
Die Zahlen sprechen für sich: 75 Prozent der ehemaligen Teilzeitbeschäftigten würden nur zu Stellen zurückkehren, die flexible Arbeitsmodelle bieten. Noch attraktiver würde eine Rückkehr durch lokale, flexible Arbeitsräume – dies gaben 62 Prozent der Befragten an. Bei über 12,1 Millionen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland, die rund 29 Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl ausmachen, liegt hier ein erhebliches ungenutztes Potenzial.
Besonders bemerkenswert: 54 Prozent der derzeitigen Teilzeitbeschäftigten würden eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit in Betracht ziehen, wenn ihre Position mehr Flexibilität bei Arbeitsort und -zeit bieten würde. Dies könnte einen direkten Beitrag zur Produktivitätssteigerung leisten.
Pendelkosten als Produktivitätskiller
Als größtes Hindernis erweisen sich die steigenden Kosten für den Arbeitsweg. 40 Prozent der Teilzeitbeschäftigten geben an, dass diese es finanziell schwieriger machen, weiter zu arbeiten. Die Konsequenzen sind drastisch: 45 Prozent der derzeitigen Teilzeitbeschäftigten würden ganz aus dem Berufsleben ausscheiden, wenn sie jeden Arbeitstag zu einem Büro in der Innenstadt pendeln müssten.
„Hohe Pendelkosten in Verbindung mit begrenzter Flexibilität stellen für viele Teilzeitbeschäftigte eine Herausforderung dar“, erklärt Mark Dixon, CEO der International Workplace Group. Fast 60 Prozent der Befragten bestätigen, dass hybride Arbeitsmodelle ihre Pendelkosten erheblich senken würden. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) gibt an, dass bei der Suche nach einer neuen Teilzeitstelle ein Arbeitsplatz in der Nähe des Wohnortes oberste Priorität hätte.
Besonders Frauen profitieren
Der Teilzeittrend in Deutschland ist stark geschlechtsspezifisch: Fast jede zweite berufstätige Frau (48 Prozent) arbeitet in Teilzeit. Die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse ist für Unternehmen zentral, um Talente zu binden. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der befragten Teilzeitbeschäftigten würde einen vollständigen Austritt aus dem Berufsleben in Betracht ziehen, wenn ihnen flexible Arbeitszeiten verwehrt würden.
Auch für andere Gruppen bietet Teilzeitarbeit wichtige Perspektiven: 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie dank Teilzeitarbeit ihren Ruhestand hinauszögern konnten. Die Hälfte der Befragten (50 Prozent) glaubt zudem, dass mehr Eltern eine Teilzeitstelle annehmen würden, wenn ihnen mehr Flexibilität geboten würde.
Wettbewerbsvorteil bei der Talentgewinnung
Die Studie zeigt auch klare Vorteile für Arbeitgeber auf: Eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass Unternehmen, die hybride Arbeitsmodelle anbieten, eher in der Lage sind, hochqualifizierte Teilzeitkräfte anzuwerben. Flexibilität wird damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Kampf um Talente.
Für die Studie befragte Mortar Research im Oktober 2025 insgesamt 510 aktuelle und ehemalige Teilzeitbeschäftigte in Deutschland zu ihren Ansichten und Erfahrungen hinsichtlich der Teilzeitarbeit in einem Büro.

